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www.hans-gratzer.at

Aussagen

Die Ordnung vernetzter Datenstrukturen basiert nicht nur auf dem Prinzip bewusst definierter Relationen, sondern immer mehr auch auf der Anwendung ausgeklügelter Algorithmen so genannter Suchmaschinen, was (nicht zuletzt durch die Option der kombinierten Suche) vernetzte Gefüge möglich macht. Das Potenzial des Gefüges erweitert das gesamte Netzwerk und eröffnet in einer fortschreitend selbstreferenzierenden Medienwirklichkeit auch die Möglichkeit der medialen Mitschrift menschlicher Wahrnehmung bis hin zur Abbildung eines (gesamten) Menschenlebens. (Das Gefüge unterscheidet jedoch per se nicht zwischen dem Wesen, sondern [momentan] nur der Art der Informationen [Bild, Video, Textdokument usw.].)

Wird ein Medium als Erinnerungsmedium bezeichnet, wenn es für ein Kollektiv bedeutsame Referenzen in die Vergangenheit beinhaltet, und nimmt man Erinnerungsleistung dort an, wo Menschen gelernt haben, diese Referenzen als kulturelle Codes zu interpretieren, hat die Abbildung solcher Referenzen in einem vernetzen Gefüge dann das Potenzial, Teile des Generationengedächtnisses bis hin zum kulturellen Gedächtnis zu »bewahren«? Oder werden vernetzte Gefüge künftig bestehende Erinnerungsmedien wie Erinnerungsorte so weit infiltrieren, dass das kulturelle Gedächtnis primär im Gefüge entsteht und die Orte beispielsweise nur noch die Funktion der Beweisführung für die »Wahrhaftigkeit« (Beweiskraft) der vernetzten Gefüge liefern?

Wird ein Menschenleben wie das von Hans Gratzer persönlich wie auch professionell (z. B. durch Nachrufe an sein Schaffen) erinnert und sind Einrichtungen im Entstehen, die der Person gedenken, und alle diese Informationen dem vernetzten Gefüge zugänglich (und eines Tages vielleicht nur noch darüber abrufbar), wo entstehen dann die Erinnerungsräume? Ist es möglich, in einem ständig selbstreferenzierenden vernetzten Gefüge, einem dem Diktat der Aktualität (und somit sich ständig austauschbarer oder erneuerbarer Information) unterworfenen Massenmedium das Fundament für das Konstrukt »kulturelles Gedächtnis« zu sehen, oder sind derartige Versuche prinzipiell zum Scheitern verurteilt, letztendlich nur noch der immer leiser werdende Pulsschlag verstummender kultureller Identitäten?

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Geschichte, die sich jeden Augenblick potenziell neu schreibt, stellt auf der einen Seite eine (so genannte) demokratisierte Form der Informations- und Erinnerungsverarbeitung (und -aufbereitung) dar. Durch ständige produktive Interaktion bzw. Manipulation kommt es zu einer permanenten Verschiebung der Aussagen und Sichtbarkeiten. Dass dies eine besondere Form von politischer Kraft beinhaltet, ist offensichtlich. Anstatt eines festgeschriebenen Verhältnisses zur Historie bricht auf das Subjekt ein Überschuss herein.

Jede Auswahl, jeder Entscheid innerhalb der Hierarchie funktioniert als Weichenstellung, die das System bestätigt und im gleichen Maß beeinflusst. Die Rezeption verschiebt ebenso wie die Produktion. Durch eine mehr oder weniger bewusste oder — besser — wissentliche Steuerung der Mechanismen können Aussagen sichtbar oder unsichtbar gemacht werden. Wie diese Website, die dafür geschaffen wurde, gleich einem blinden Fleck im System der Informationsgenerierung (und Erinnerung) als Parameter für Hierarchisierungs- und Auswahlmechanismen zu funktionieren.

So gestaltet der Umweg über eine Referenzbewegung einen scheinbar unsinnigen Schritt in der Bewegung hin auf den Inhalt der Erinnerung und die — gleichzeitige — Leere der Signifikation. Man könnte dies eine Tautologie der Macht bzw. der Machtstrukturen nennen, die durch jede Aktion kalkuliert auf sich selbst (zurück)verweist. Wie beim Konzept der »over-identification« (S. Žižek) gilt es dabei nicht eine ironische, fingerzeigartige Geste zu produzieren, sondern, im Gegenteil, das vollendende und vollendete Funktionieren innerhalb der Strukturen herzustellen, die eine Identität geben (und nehmen) bzw. gleichermaßen durch eine Identität geschaffen werden.

Während Hans Gratzer als Signifikant am Ausgangspunkt steht, funktioniert das System seiner (posthumen) Rezeption als Liste von Signifikanten, die das Licht auf das Medium zurückwirft, indem der Anfang (also die Person) in irgendeiner Weise durch die Signifikation verschwindet.

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statements

The organization of interlinked data is not only based on deliberate relations but more and more on the usage of cleverly devised search algorithms within so-called search engines. The combination of keywords opens the potential of a structure (“Gefüge”) which extends the whole network towards a constantly moving, self-referring media reality. The possibilities of that media reality might go as far as producing a transcript of experiences or even the image of a whole life. Presently, the structure does not distinguish between different contents or characters but only between various forms such as image, video, or text document.

If we assume that a memory medium contains meaningful references to the past for a group and that the process of remembering takes place where people have learned to read those references as cultural codes, the question arises whether the reproduction of such codes within an interlinked structure has the potential to store parts of the “Generationengedächtnis” (memory of generations) or even the cultural memory of a whole society (and thus provide cultural identity). One might also ask if those interlinked structures have the potential to infiltrate existing memory media such as places of memory to such an extent that the cultural memory will primarily unfold within the interlinked structures and places of memory, for example, simply exist (or remain) to prove the “truth” (existence) of medialized information.

If the life of a human being such as Hans Gratzer will be remembered both personally and professionally (for example in the form of obituaries of Hans Gratzer); if exhibitions and installations in remembrance of his life are being realized; and if all that information is also accessible within an interlinked structure, where then are places of memory about to emerge? Does a constantly renewing and self-referring network structure, a mass medium that is subjected to the dictate of topicality — and thus to constantly interchanging and renewing information — provide a feasible basis for the construct of a cultural memory? Or are such attempts basically doomed to fail — nothing but the harder and harder to hear pulse beats of ceasing cultural identities?

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History that is virtually (re)writing itself all the time constitutes a (so-called) democratized form of information- and memory-processing. It results in a permanent displacement of statements and visabilities through incessant productive interaction or manipulation. It is obvious that this includes certain and special forms of political power. Instead of specified relations to a past, a surplus befalls the subject.

Within the (hierarchic) system, every selection and decision made not only influences but also confirms the system. The reception functions as a mechanism of displacement just as the production does. Through a more or less conscious or — better — knowing control of the mechanisms, statements can be made visible or invisible. Like this website, which was developed as a kind of parameter concerning hierarchization and selection within the system of information- and memory-generation.

Therefore, a referential detour is made — a meaningless step on a path aimed at the contents of memorization and — concomitantly — at the emptiness of its signification. This could be called a tautology of power or of power structures respectively, which, in every action, refers to itself and somehow gets caught within the system. As with the concept of “over-identification” (S. Žižek), the point is not producing an ironical gesture and hint at something but rather guaranteeing a perfecting and perfect functioning within the structures that give (and take away) identity and which are created by an identity at the same time.

While Hans Gratzer as the significant marks the starting point, his (posthumous) reception works as a list of significants referring back to the medium, while the origin (the person Hans Gratzer) somehow disappears through the process of signification.

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Reader | reader

Auftrag | commission

Die konzeptionelle Arbeit www.hans-gratzer.at begann als Auftragsprojekt und sollte im öffentlichen Raum (Bar/Restaurant in Wien) einen »temporären Erinnerungsort« für Hans Gratzer (1941—2005) entwickeln.

Initially, the conceptual work www.hans-gratzer.at was commissioned by a bar/restaurant in Vienna to create a temporary public “place of memory” for Hans Gratzer (1941—2005).

Konzept und Realisation | concept and realization: Andreas Soller, Josef Steinkogler, 2006.

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